Nächste Woche habe ich eine wichtige Zwischenprüfung, dementsprechend sollte ich in den nächsten Tagen fleissig hinter die Bücher. Ich kann mich aber erst seit zwei Tagen richtig dazu motivieren, mich an die Arbeit zu machen. Nein nein, dies ist nicht auf eine Blogsucht zurückzuführen. Wenn ich nicht bloggen würde, dann würde ich mich wohl anders ablenken. Ich würde meine erworbenen Bastelartikel ausprobieren oder vielleicht auch einen vorzeitigen Frühjahrsputz machen. Ich würde alles tun, um nicht lernen zu müssen.
Die Vermutung liegt deshalb nahe, dass ich diesen Zeitdruck unbedingt brauche. Ich glaube, ich habe noch nie in meinem Leben zu früh mit Lernen begonnen. Ohne Druck kann ich mich nicht richtig konzentrieren und leider spüre ich auch jetzt, kurz vor der Prüfung, nicht genügend Druck. So liess ich mich auch vorhin nur zu gern von anderen Dingen ablenken. Ich hantierte kurz in der Küche, schaute dem Virex zu, wie er im Schneckentempo alles durchcheckte, machte mir Gedanken, ob ich wirklich versuchen sollte, ein Spiegelei auf dem iBook zu braten und fing dann mal an, lustlos in diesem gelben Reclam-Büchlein mit dem Titel “Literatur im deutschen Mittelalter zu blättern. Keine zwei Sätze später stand ich schon wieder auf, weil ich merkte, dass ich noch einen Bleistift und ein Blatt Papier brauchte. Wieder zurück auf dem Sofa, schaute ich erst noch nach, ob wir neue Kommentare gekriegt haben.
So sind schon wieder einige Minuten vergangen, bevor ich mich wirklich an die Arbeit machte. Nun habe ich eine gute Stunde einigermassen konzentriert gelesen und an meiner Zusammenfassung geschrieben. Da ich mich noch nicht richtig gestresst fühle, habe ich das Gefühl, dass ich für heute schon genug gemacht habe und mich doch noch kurz unserm Blog widmen könnte.
Dabei weiss ich genau, dass ich einige Dinge noch genauer anschauen muss. Wie war das doch gleich mit der Metrik? Was genau ist ein Stabreim? Worauf muss ich beim Transkribieren achten? Auch weiss ich: Eine schöne Zusammenfassung schreiben ist das eine, die Sachverhalte auch noch einigermassen im Kopf haben, ist etwas anderes.
Warum zum Geier sitze ich also hier, und schreibe über mein Nichtstun?
Ich habe ja noch genug Zeit, sage ich mir. Ganze drei Tage! Dass diese drei Tage sehr schnell vergehen werden, weiss ich schon heute. Ich weiss aber auch, dass ich den Stress erst am letzten Abend vor der Prüfung richtig spüren werde… Ob es mir ein weiteres Mal gelingt, erst in letzter Minute auf Hochform zu kommen?
Am 4. Februar 2007 um 23:11 Uhr
Literatur im deutschen Mittelalter? Ähm, bei sowas könnte ich mich auch nicht motivieren.
Am 4. Februar 2007 um 23:19 Uhr
Die Literatur an sich wäre spannend, die Sekundärliteratur leider nicht… Das Leben bietet zu viele Ablenkungen
Am 5. Februar 2007 um 00:17 Uhr
macht germanistik eingentlich spass? hab’ mir das mal überlegt…aber es sieht momentan eher so aus, als wird es etwas in richtung soziologie. literatur wäre ja schon interessant…aber linguistik ist wohl absolut nicht mein ding
im wievielten semester bist du wenn ich fragen darf?
Am 5. Februar 2007 um 10:37 Uhr
fragen darf man immer
ob du eine antwort kriegst, ist was anderes
mir persönlich macht germanistik wirklich spass. aber ich würde nie etwas anderes studieren wollen, somit erübrigt sich bei mir die frage. literatur ist interessant, aber hängt sehr vom dozenten ab. linguistik mag ich, ist wirklich spannend. hast du denn schon erfahrungen mit sprachwissenschaft? (was ich eigentlich fragen will, mich aber nicht so traue: weisst du überhaupt, was sich dahinter verbirgt? es ist manchmal nicht einfach, sich etwas darunter vorzustellen, bevor man sich wirklich damit beschäftigt hat.
so war es übrigens auch mit dem mittelhochdeutsch. viele haben das gefühl, das sei stinklangweilig, ist es aber nicht… ich liebe es, mittelhochdeutsche texte zu übersetzen, und die texte haben oft einen sonderbaren humor
Am 5. Februar 2007 um 12:54 Uhr
ach ja, noch was: wenn du germanistik im nevenfach studierst, kannst du ja frei wählen zwischen literatur oder linguistik… was machst du denn im HF?
Am 5. Februar 2007 um 16:06 Uhr
Ich mag die erste theutsche Literatur des 16. Jahrhunderts gleichermassen. Liest sich wie zeitgemässer Dialekt in schweizerischen Online-Foren.
Am 5. Februar 2007 um 16:58 Uhr
man kann jetzt auch im HF schwerpunkte wählen. ich hätte schwerpunkt literatur gewählt. nun, ist nicht etymologie eine disziplin der linguistik? das find’ ich ziemlich hmm ja sagen wir, relativ langweilig. pragmatik und semantik ist schon interessanter.
bisher studiere ich noch nichts. ich geniesse das sogenannte “zwischenjahr” und will mich nun schön langsam für eine studienrichtung entscheiden.
Am 5. Februar 2007 um 18:27 Uhr
ja, das stimmt, nach dem neuen system geht das. ist im hinblick auf eine spätere berufsausübung aber nicht so sinnvoll, weil du dann doch ein fachidiot wärst
etymologie gehört nach meinem wissen nicht zur linguistik. in den einführungskursen auf jeden fall nicht, danach kann man ja recht frei wählen, welche schwerpunkte einen wirklich interessieren… das heisst nach der einführung kannst du gut ein seminar zu semantik besuchen, ohne dass du dich jemals mit etymologie oder anderem beschäftigen müsstest. das einzige langweilige ist dann vielleicht die sprachgeschichte, da muss man echt die pobacken zusammenkneifen und all diese lautverschiebungen, diphthongierungen, monophthongierungen und so weiter genau anschauen. ein trostpflaster: nach dem neuen system fällt “phonetik und phonologie” als eigenes fach weg, ist schon in der linguistik inbegriffen und so hättest du eine prüfung mit hoher lernbelastung weniger als wir liz-studis noch hatten.
soso – deshalb bezeichnest du dich also als nichtstuer…
Am 5. Februar 2007 um 18:28 Uhr
@ dissident: ja, das hat was. nicht grundlos fällt es den schweizern in der mediävistik leichter, mittelhochdeutsch laut vorzulesen, weil wir im schweizerdeutschen noch einige diphthongs haben, die im hochdeutschen längst verschwunden sind…