Brief an Dominique L.

Hallo Dominique

Ich erlaube mir nun, dein Mail hier zu veröffentlichen. Schliesslich sollst du die Gelegenheit haben, dich zu unserer Kritik zu äussern:

Hey!
Danke für den Tipp!


Naja, ich bin in Deinen Augen also ein Schüler, der versucht, Skandale aufzuzeigen? Und es sei skandalös, dass ich mich Journalist schimpfe?

Wir leben in einem freien Land, wo jeder seine Meinung haben darf. So freut wes mich auf jeden Fall, dass Du Dir die Mühe machst, über mich und meine Zeitung zu schreiben.

Wenn Dir die Zeitung nicht passt, kannst Du sie ja einfach wegwerfen, ohne sie zu lesen, oder? Aber das dann doch nicht, gelle? Naja…

Lieben herzlichen Dank! Und falls Du wieder einmal etwas über die Bodensee Nachrichten schreiben solltest: Sende mir bitte erneut den Link zu! Es macht Spass, so etwas zu lesen – hast für gute Stimmung bei uns gesorgt!

Mach weiter so – bist auf dem richtigen Wege!
Liebe Grüsse
Dominique

Natürlich würde ich DICH nie als einen dummen Schuljungen bezeichnen. Wie kommst du denn darauf, dass ich dich meine? Ich spreche von einem allgemein grauenhaften Schreibstil. Sogar ein Primarschüler könnte besser und fehlerfreier schreiben. Dass du dich persönlich angesprochen fühlst, finde ich aber äusserst interessant.
“Wir leben in einem freien Land, wo jeder seine Meinung haben darf. So freut es mich auf jeden Fall, dass du dir die Mühe machst, über mich und meine Zeitung zu schreiben.” Aha, deine persönliche Meinung, die du in einem freien Land haben darfst, ist, dass dich meine “Mühe” freut? Aber hallo, selbst wenn nicht jeder seine Meinung haben dürfte, für so etwas bräuchtest du bestimmt keine Erlaubnis. Oder bezieht sich dieses “so” gar nicht auf den vorherigen Satz, und du konntest einfach keine bessere Textkohärenz herstellen? Nein, natürlich musste ich einen Blick in die Zeitung werfen. Ich wollte wissen, ob die Schreiber verbesserungsfähig sind, wobei ich doch jedes Mal arg enttäuscht werde. Auch interessiere ich mich für die Leserreaktionen. Die sind “deiner Zeitung” ja nicht immer freundlich gesinnt. Es macht mir übrigens auch keine Mühe, über “deine Zeitung” zu schreiben. Etwas Ärger spüre ich vielleicht jeweils im Bauch, aber nicht, weil mir das Schreiben Mühe bereitet, sondern weil ich die Artikel als Beleidigung für den Berufsstand des Journalisten empfinde. Das Schreiben ist für mich somit eine Möglichkeit, Dampf abzulassen. Als Bloggerin darf ich das tun. Ich darf meinen ganzen Ärger und die Verabscheuung in einen Text fliessen lassen. Als “Journalist” solltest du aber hin und wieder darauf achten, eine neutralere Schreibweise anzuwenden. Aber das geht natürlich nur, wenn du eine seriöse Zeitung produzieren willst und kein Boulevardblättchen mit kleinen Skandalen aus der Region. Ich empfinde es zuletzt auch als eine Pflicht, unseren Lesern diese besondere Freude zu gönnen, über missratene Zeitungen schmunzeln zu dürfen. Das sorgt nicht nur bei euch für gute Stimmung, sondern insbesondere bei der kritischen Leserschaft.

Natürlich mache ich weiter so. Ich werde mit Genuss einen Blick auf die nächste Ausgabe werfen. Durchblättern muss ich nicht; so wie ich euch kenne, reicht es schon, wenn ich auf der Frontseite ein wenig lese. Dies gibt bereits genug Stoff für zahlreiche Blogbeiträge.

Ich kann dir aber leider nicht sagen, dass du auf dem richtigen Weg bist, selbst wenn du das in deiner Kolumne geschrieben hast. Ich finde nämlich ganz und gar nicht, dass du auf dem richtigen Weg bist. Aber noch habe ich Hoffnung. Noch glaube ich daran, dass ständige Kritik früher oder später etwas bewirken wird. Enttäusch’ mich nicht!

4 Reaktionen zu “Brief an Dominique L.”

  1. m.croche

    was ist das für einer?! scheint mir ja ein lustiger zu sein…

  2. dLay

    hm… ob lustig das richtige wort ist? ;)

  3. m.croche

    lustig ist mit einer prise ironie zu geniessen ;)

  4. dLay

    na dann ist lustig angebracht :) der lustige dominique ist übrigens redaktionsleiter, der sollte deshalb mal langsam aufhören, lustig zu sein…

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