In der Blogosphäre angekommen, scheint der Blogger verschiedene Identitäten anzunehmen. Das ist dann wohl der Preis der Anonymität, die die Leser nicht daran hindert, sich selbst ein Bild vom Blogger zu machen. Würde ich mich selbst als studierendes Mami, die mit einem halben Bein im Journalistenleben steht, beschreiben, so bin ich doch überrascht, was andere hinter meiner Person vermuten.
Ich bin eine biedere Hausmagd, die sich hinter den Peinlichkeiten der anderen versteckt und selbst eine von ihnen ist, so dass mich der Schubladerich konsequenterweise in Mails und Kommentaren mit “Hallo Nachbarin” anspricht. Dass ich als Frau erkannt werde, scheint keine Selbstverständlichkeit zu sein, wenn mich ‘chm für einen sexsüchtigen Mann hält. Wenn ich als Frau bezeichnet werde, dann als ein Teil des Hygienepaars aus der Ostschweiz (ebenfalls Schubladerich). Phrasardeur fragte mich kürzlich, ob mein Pseudonym aus den Buchstaben der “Lady” geformt wurden, Schubladerich wiederum wurde durch “dLay” an “delete” oder “delay” erinnert. In diesem Falle ist die Bezeichnung “Nachbarin” wesentlich sympathischer.
Der deutsche Halbheld wiederum bezeichnete mich als “Partnerbloggerin”, weil er wohl Ähnlichkeiten zwischen unseren Blogs zu erkennen glaubte oder gar keine Ähnlichkeiten fand und dennoch etwas Nettes sagen wollte.
Und als ob dies nicht schon genug wäre, schwirren wohl auch die Gedanken in den Köpfen, dass ich eine Barbie liebende, Bastelparties verachtende aber gebende und zuletzt Käsblatt kritisierende Bloggerin bin.
@Schatz: Ich bin nun definitiv dafür, die Suchfunktion auf unserem Blog zu aktivieren! Andernfalls habe ich Mühe, meine eigenen Beiträge im Archiv ausfindig zu machen
Am 6. Februar 2007 um 15:51 Uhr
so lange du keine identitätskrise hast, ist dies alles ja recht amüsant! oder?
aber das der chm dich dem falschen geschlecht zugeordnet hat, verwundert mich! kennt er doch den unterschied ganz genau! ;o)
Am 6. Februar 2007 um 16:06 Uhr
nein nein, eine krise ist weit entfernt
amüsant ist es, und darum auch immer wieder einen beitrag wert…
ich glaub, der chm hat einfach nicht so genau gelesen, sonst wär wohl alles klar gewesen
Am 6. Februar 2007 um 16:22 Uhr
Ich mag Identitätskrisen. Mit ihnen erfinde ich mich immer neu. Und ich habe noch einen neuen Vorschlag für dich:
Eine überangepasste Studentin, welche ihrem Etymologie-Wörterbuch Anerkennung in der häuslichen Gemeinschaft verdankt, deswegen gemächlich auf der sozialen Leiter hochklettert.
Am 6. Februar 2007 um 16:31 Uhr
@dLay: Nee, stimmt schon. Ich bin wirklich davon ausgegangen, dass du ein Mann bist. Einfach auch deshalb, weil es wenige Frauen gibt (leider) die sowas schreiben (und auch denken?) würden. Insofern war ich wirklich überrascht. Positiv überrascht.
Am 6. Februar 2007 um 17:08 Uhr
@dissident: Wie unzufrieden muss man wohl sein, wenn man darauf angewiesen ist, sich selbst neu zu erfinden?
Anerkennung in der häuslichen Gemeinschaft??? Eine nähere Erklärung wäre angepasst, ansonsten wird doch wieder der Vorwurf einer sprachlichen Seifenblase laut. Worin willst du eine Gemächlichkeit auf der sozialen Leiter erkennen?
Interessant, dass du aus allgemeiner Langeweile doch immer wieder in die Langeweile fliehst…
@chm: na dann fass ich das mal als Kompliment auf
Am 6. Februar 2007 um 17:13 Uhr
@dissident: Im Allgemeinen verstehe ich durch dein Bedürfnis, dich selbst immer wieder neu erfinden zu können, auch besser, weshalb du dich trotz aller Anonymität hinter verschiedenen Pseudonymen verstecken musst. Nennt man das eine virtuelle Schizophrenie, oder steckt tatsächlich eine tiefsitzende Identitätskrise dahinter?