Für den literarischen Akzess habe ich soeben Sophokles “König Ödipus” in deutscher Übersetzung gelesen. Hilfe – das muss ich einer mal vorstellen! Ein Königspaar hört den Orakelspruch, dass der Erstgeborene den eigenen Erzeuger töten und sich mit der Mutter vermählen wird. Also wird der Sohn Ödipus nach der Geburt verbannt, in der Hoffnung, dass er nicht überleben wird. Er aber überlebt, und wächst bei einem kinderlosen Paar auf, die er für seine leiblichen Eltern hält. Ödipus wiederum hört den Spruch, dass er seinen Vater töten und die Mutter “besäen” wird, weshalb er sich von den vermeintlichen Eltern entfernt. Er trifft im Exil auf seinen richtigen Vater und tötet ihn, ohne seine wahre Identität zu kennen. Er rettet die Stadt seines Vaters und heiratet die Mutter – auch ohne zu wissen, wer sie ist. Die Götter bestrafen die Stadt für ein solch furchtbares Übel, und nur die Wahrheitsfindung kann die Stadt retten. Ödipus zerrt die Wahrheit hervor, und als er erkennt, wie ihm geschehen ist, sticht er sich selbst die Augen aus.
Pervers daran ist nun, dass die Mutter auch Gattin, der Bruder auch Sohn, die Schwester auch Tochter ist…
Am 19. Februar 2007 um 18:32 Uhr
Tolldreist triebens die alten Griechen – und nachhaltig. Nach Oedipus hat Dr. Freud sogar einen Komplex benannt.