Der von mir viel erwähnte monsieur croche hat in seinem letzten Post verkündet, dass er mit dem “Befindlichkeitsblogging” aufhören will. Er will informative und hilfreiche Texte liefern. Wie er dies wohl anstellen will? Es ist natürlich unbestritten, dass die Leute nicht nach Texten mit dem Inhalt “Wie geht es mir heute” (“Was koche ich heute” schon eher) suchen. Die Seelenschau dient also wahrlich nicht der Leserschaft, sondern dem Verfasser selbst.
Ebenfalls zeigt sich im Semmelstatz auch, dass tatsächlich ständig nach Informationen gesucht werden. Was ist Pönale? Wie macht man Frühlingsrollen oder Hörnligratin? Doch das Lesen dient auch der Unterhaltung. Zum Beispiel wenn Dr. Watson Meteo moderiert, die Feuerwehr rappt oder jemand einen Sprung mit defektem Fallschirm überlebt.
Ich unterstelle aber unserer Gesellschaft, dass in jedem ein Voyeur steckt. Weshalb sonst interessiert es uns so sehr, was Britney Spears mit ihren Haaren macht oder was andere Promis und VIP’s so treiben? Das Leben anderer interessiert uns, und das Bloggen erlaubt es uns, auch über “Normalsterbliche” Dinge zu erfahren, die ein Blogger über sich oder seine Mitmenschen unbedingt mitteilen will. Die Blogs zu lesen – selbst wenns nur um die Befindlichkeit des Autors geht – betrachte ich als einen äusserst freiwilligen Akt. Die Freiwilligkeit ist für mich nun ein Zeichen dafür, dass Interesse auf jeden Fall vorhanden sein muss. Dies wiederum bestätigt meine These, dass wir eben alle Voyeure sind.
Am 20. Februar 2007 um 22:38 Uhr
nebst den “befindlichkeitsmitteilungsbedürftigen” gibt es ja auch noch die “habeichsoebenaufyoutubegefunden”-blogger. die scheinen bezüglich traffic vorläufig noch die erfolgreichsten zu sein.
Am 20. Februar 2007 um 22:39 Uhr
Danke für die Reflexion über meinen Blog bzw. durch das sich-durch-meinen-blog-inspirieren-lassen
dein erster teil; deine erkenntnis aus semmelstatz hab’ ich eben auch gemacht und wollte u.a. auch deshalb mehr nützliches produzieren. aber es soll auch heissen, dass ich mich besser in die blogosphäre integrieren will. ich hab oft das gefühl, ein mauerblümchendasein zu fristen.
hachja. dein zweiter punkt hat auch wahres an sich. trotzdem will ich dieses befindlichkeitsbloggen zurückschrauben. irgendwie hab’ ich diese art von blogging nicht mehr notwendig. vieles hat sich verändert und viele fragen hab’ ich mir beantwortet. was bleibt ist schall und rauch. ich möchte niemandem meinen überaus durchschnittlichen alltag erzählen. denn er kennt ihn von sich selbst auch bestens
Am 20. Februar 2007 um 22:45 Uhr
@croche: ja, natürlich sehen die alltagsgeschichten nicht so unterschiedlich aus. aber genau hiermit ist zu erklären, weshalb es die menschen doch so interessiert. es gibt doch nichts schöneres, als zu erfahren, dass es andern auch so geht oder dass es ihnen wenn möglich noch schlechter geht )
@lupe: ja, die gibts tatsächlich. meinst du jemand bestimmten? sieht halt schon nach easy job aus, wenn nur solche beiträge zu finden sind – aber man darf nicht unterschätzen, dass auch die suche zeitaufwendig sein kann