“Bitte nicht mit dem Fahrer sprechen”, heisst es doch so schön in den öffentlichen Bussen und Postautos. Wer beim Fahren telefoniert, wird gebüsst, haben wir doch auch schon des öfteren von “Sündern” gehört. Gar nichts von dem schien der Herr Schweitzer, Postauto-Chauffeur in der Region St.Gallen-Appenzell, zu wissen oder wissen zu wollen.
Okay, zugegeben, ich war etwas unter Stress. Ich musste nach meinem ersten Tag im neuen Semester an der Uni feststellen, dass ich meinen Hausschlüssel daheim liegen gelassen habe. Deshalb wollte ich rasch mit dem Postauto zum Arbeitsort meines Liebsten fahren, damit ich seinen Schlüssel schnappen kann. Gestresst wie ich war, kamen mir die drei Minuten, die Herr Schweitzer telefonierend verbrachte, wie eine halbe Ewigkeit vor. Denn jede Minute zählte, wenn ich mir den Schlüssel schnappen und gleich wieder heimwärts rasen wollte.
Herr Schweitzer aber nahm sich Zeit. Er parkierte während der Fahrt plötzlich an einer Haltestelle. “Sind wir zu früh dran?”, fragte ich mich, als ich seine unerwartete Pause bemerkte. Die Sekunden verstrichen, und er führte in aller Ruhe sein (hoffentlich!) wichtiges Telefonat. Die anderen Passagiere blickten etwas irritiert herum, denn offensichtlich diente die Pause lediglich diesem noch so wichtigen Anruf. Nach besagten drei oder vier Minuten verabschiedete sich Herr Schweitzer zufrieden von seinem Gesprächspartner und setzte endlich die Fahrt fort.
Am Ziel angekommen, liess er sich wieder Zeit, die Türe zu öffnen. Ich eilte hinaus, holte den Schlüssel, und da war mein Postauto für den Heimweg schon auf und davon gefahren. Drei Minuten hätten mir wohl gefehlt! Ich eilte zum nahegelegenen Bahnhof, in der Hoffnung, dass ich den nächsten Zug gleich erwischen würde. Unterwegs raste ich an Herrn Schweitzer vorbei. Was tat er??? Jawohl, er stand draussen und telefonierte. Musste wirklich wichtig gewesen sein!