Alte Egoisten

Gestern durfte ich berufeswegen einer Projektpräsentation beiwohnen. Bei den beiden Projekten handelte es sich einerseits um den Bau von Seniorenwohnungen und andererseits um die Gestaltung eines neuen Dorfspielplatzes. Die Bedürfnisse und Wünsche wurden von Studentinnen einer Fachhochschule evaluiert, und die Ergebnisse wurden der Bevölkerung vorgestellt. Beim Projekt, das die Senioren betrifft, zeigte sich das mehrheitlich ältere Publikum begeistert. Anschliessend wurde eine Skizze präsentiert, wie so ein Spielplatz aussehen könnte, der den Wünschen und Bedürfnissen der Familien in diesem Dorf entspricht. Schon mitten in der Präsentation wurde den Studentinnen ins Wort gefallen…

Pingeligst wies ein schon älterer Herr die Frauen zurecht, weil es ihn störte, dass es beim Spielplatz keine Toiletten geben soll. Er beschimpfte die angehenden Sozialpädagoginnen, dass sie keine Ahnung hätten und wenn man schon keine Toiletten baue, so solle man doch wenigstens genügend Büsche pflanzen. Der anwesende Gemeindepräsident teilte dann mit, dass man auf diesen Punkt schon noch zu sprechen komme. Der alte Motzer hörte aber nicht darauf, und als die Referentinnen ihm wiederholt mitteilten, dass man erst später zu diesem Thema etwas sagen wird, reagierte er wie ein trotzendes Kind. “Ja, bis dahin könnt ihr es euch ja noch überlegen!”, und erhielt Beifall von seiner Gattin.

Als dann das Thema der Bedürfnisse der anderen Art vom Tisch war, konnten die älteren Zuschauer wieder nicht aufs Maul hocken. Sie stellten die Notwendigkeit eines Spielplatzes in Frage. Immerhin gäbe es in ihrem Dorf vor allem Einfamilienhäuser, und die hätten doch ihre eigenen Gärten und Spielgeräte. Dies wiederum löste Empörung bei den Familien aus. Und Recht haben sie! Wo käme man denn hin, wenn nun alle Kinder stets schön brav in ihren eigenen Gärten spielen sollen? Wo bleibt da der soziale Aspekt, der ja nicht nur für die Kinder, sondern auch für die Eltern äusserst wichtig ist? Es gibt wohl kaum einen geigneteren Begegnungsort für Familien als Kinderspielplätze!

Wie sich dann aber später herausstellte, fürchteten die alten Leute, dass mit der Gestaltung eines Dorfspielplatzes der Bau von Alterswohnungen verhindert wird. Denn die beiden eigentlich voneinander unabhängigen Projekte haben jeweils denselben Standort vorgeschlagen, nämlich in der Nähe des Gemeindehauses. Da sieht mans mal wieder – die ältere Generation scheint null Verständnis zu haben für die Jüngeren. Dabei würde es der jungen Generation nie in den Sinn kommen, die Notwendigkeit von Alterswohnungen in Frage zu stellen!

Kommentar schreiben



Fatal error: Call to undefined function akst_share_form() in /home/adultpix/www/hygiene/wp-content/themes/oh-version-breit/footer.php on line 22