Ich sass im Zug. Freute mich, dass ich mir noch ein wenig Schlaf gönnen konnte vor meinem Uni-Alltag. Doch in Gossau stieg sie ein. Sie, die man schon auf dem Weg in die obere Etage des doppelstöckigen Intercity zu gut hören konnte und bei der man sich nichts mehr wünschte, als dass sie für immer schweigen möge. Frech und ohne zu fragen setzte sie sich auf den freien Platz gegenüber. Ich kann Leute nicht ausstehen, die nicht mal fragen. Selbst wenn ich weiss, dass ich den Zug und auch die einzelnen Plätze nicht gepachtet habe und selbstverständlich alle ein Recht auf einen Sitzplatz haben. Es stört mich auch nicht, wenn ich mich nicht allzusehr gestört fühlen muss…
Deutschsprachige Telefongespräche, die man gezwungenermassen im Zuge mithören muss, sind mitunter ganz unterhaltsam. Da erfährt man Dinge, die wahrscheinlich nicht mal die Nachbarin der Telefoniererin weiss. Bei dieser sich äusserst unbeliebt machenden Zeitgenossin handelte es sich aber nicht um eine deutschsprechende Person. Englisch oder Französisch wären meinetwegen auch noch okay gewesen, denn es gibt doch beinahe keine bequemere Art, seine Fremdsprachenkenntnisse ein wenig aufzufrischen.
Die Dumpfbacke, die sich dort herniedergesetzt hat, sprach aber Vietnamesisch.Wer das schon mal gehört hat, kann bestimmt gut nachempfinden, weshalb ich mich da doch etwas gestört fühlte. Die Gütigste plauderte fröhlich vor sich hin – mal energisch, mal stotternd und nachdenklich, mal konnte der unfreiwillige Zuhörer nicht ausschliessen, dass es sich um ein Streitgespräch handelte. Gierig steckte ich mir meine iPod-Ohrhörer in die Ohren, in der Hoffnung, diesem Zuhören-Müssen ein Ende bereiten zu können. Doch erstmal hat mich mein süsses blaues Ding im Stich gelassen – der Akku war nach einem unbeabsichtigten Gebrauch am Wochenende und auch aufgrund der etwas tiefen Temperaturen LEER. Also musste ich die ganze Fahrt bis Zürich leiden, hören, leiden.
Jawohl, eine Ausdauer hatte die Gütigste. Von Gossau bis Zürich telefonierte sie beinahe ohne Unterbruch. Und auch die kurzen Unterbrüche waren nur deshalb möglich, dass das Netz nicht so recht wollte. Entnervt wählte sie aber jeweils erneut und schon konnte sie ihrer Telefonsucht nachgehen. Die Krönung bei dieser ganzen Sache war, dass sie nach zigminütigem Geschwafel einige Schwefelverbindungen ausschied, die auf so engem Raum äusserst unangenehm wurden für ihre armen Mitmenschen. IGITT!