Eine Coiffeuse ist dumm, geschwätzig und legt grossen Wert auf ihr Äusseres. Alles Vorurteile, dachte ich bis vor kurzem. Doch dann bestätigte mir nicht die Ausnahme sondern ein Musterbeispiel diese Regel. Hin und wieder müssen die gespaltenen Spitzen Weg, die Stufung erneuert werden. Doch grundsätzlich spielt es mir keine Rolle, bei wem ich mir die Spitzen schneiden lasse. So bin ich dann also bei der Silla gelandet. Ja, sie sieht gut aus, gibt sich Mühe, sich gut zu kleiden, ist geschwätzig und … sie ist DUMM.
So spricht sie zumindest über sich selbst. Sehr interessierte sie sich dafür, was ich so tue, wo ich wohne, was ich studiere. Als sie nur den Begriff “studieren” hörte, war ihr sofort klar, dass ich gescheit sein muss. Sie bedauerte im gleichen Moment, dass sie selbst nicht so gescheit ist, sie habe ja nur die Realschule besuchen können. Einen Augenblick lang fragte ich mich natürlich, ob Ironie im Spiel ist und sie mich möglicherweise nur veräppelt. Aber dass sie wirklich nicht die Hellste ist, zeigte sie mir immer wieder.
Schnell erfuhr ich mehr, als ich wollte. Wo sie wohnt, wo sie zuvor gearbeitet hat, dass sie selbst falsche oder fremde Haare hat reinmachen lassen und schon mal Dauerwellen hatte. Dass ihre Mutter Naturlocken hat, sie aber interessanterweise kerzengerades Haar. Auch erzählte sie mir von ihren Wünschen – nämlich, dass sie die Berufsmatura nachholen (die Lehre habe sie nämlich mit der Note 5 abgeschlossen), den Lehrmeisterkurs absolvieren und dann Berufsschullehrerin werden möchte. Denn ein Kunde von ihr sei Berufsschullehrer, und BOAH der habe ihr erzählt, was er so verdiene. Die Gute bekam ganz leuchtende Augen…
Ich musste nichts weiter zu sagen, als dass es nie schadet, sich im Leben darum zu bemühen, weiterzukommen. Fünf Sekunden später war die Botschaft dann angekommen. Die Frage, was genau sie denn unterrichten will, lag mir die längste Zeit auf der Zunge, und so musste sie auch gestellt werden. Rechnen und Branchenkunde, lautete ihre Antwort nach kurzem Überlegen. Ja, rechnen kann sie. Dies bewies sie mir, als sie es fertig brachte, mir nach einem “ähm i mue gschwind nodängge” mein Retourgeld zu geben… Bei “achzg weeg vieräsächzg” kann einer nicht angehenden Berufsschullehrerin locker ein Fehler unterlaufen.
Am 6. Juni 2007 um 23:31 Uhr
Zum Glück gibts solche Menschen, die diesen Beruf trotzdem lieben. Solange sie das Flair fürs Schneiden haben, denke ich was solls.
Am 7. Juni 2007 um 10:44 Uhr
Bin sonst ein Fan dieses Blogs, habe aber mühe mit Leuten, welche “neurologisch schlechter vernetzte” Mitmenschen schlicht “dumm” nennen und sich über sie lustig machen. Zum Glück ist der Autor des Textes so intelligent. Es besteht also weiterhin Hoffnung für die Menschheit….
Am 7. Juni 2007 um 11:24 Uhr
finde ich auch nicht sooo in ordnung, vor allem noch den namen zu erwähnen…
Am 7. Juni 2007 um 11:30 Uhr
ich nenne sie (zumindest nicht öffentlich
) nicht dumm, denn wie im nachfolgenden satz steht, hat sie sich selbst so bezeichnet in dem typischen coiffeur-kunde-gespräch.
was den namen angeht – falls jemand eine silla kennt, die coiffeuse ist, kann er sicher sein, dass ich nicht DIE gemeint habe
Am 15. Juni 2007 um 10:35 Uhr
Salute
Dieser Artikel ist nach meiner Meinung nicht fair geschrieben.
Die Dame hätte sich nicht so schnell aus der Fassung bringen sollen und ihren Selbstwert erklären müssen. “Mann” schlägt noch Profit daraus, in der Weise, dass da da Dummheit im Spiel wäre, und er wieder die Frau abwerten kann? Ich weiss, Frauen reden bekanntlich etliches mehr als Männer. Was nicht gleich als Dummheit und Tratschi bezeichnet werden darf. ( Tip für ein gutes Buch mit dem Titel: Warum Männer nicht zuhören und Frauen schlecht einparken ). Männer bitte hört mehr zu und kommt aus eurer Bärenhöhle, nachdem ich Zeit hattet zum Nachsinnen.
Dieser Person, die diesen Zeitungsartikel verfasst hat sage ich: Mann, ich freue mich für dich, dass du studieren kannst, ein Privileg!
Du kannst nichts dafür, wenn andere sich verunsichert fühlen, und sich selbst in der Rede abwerten und sich zu erklären versuchen, dass sie evt. besser / positiver dastehen. Doch du kannst mehr lernen in dein Verständnis und deine Akzeptanz ( Liebe ?
gegenüber Frauen zu investieren. Ob du gescheiter bist oder nicht…. ist das Thema? Wir sind alle gleichwertig. Alles Gute und viel Erfolg für dein Studium. Do it for you and mankind. Greets von Jeannette
Am 15. Juni 2007 um 10:49 Uhr
Natürlich geht es gar nicht darum, ob ich gescheiter bin oder nicht. Ja, ein Studium ist sicher ein Privileg, aber sagt dies für mich nicht viel über Intelligenz aus. Fleiss oder das pure Gegenteil, nämlich studentische Arbeitsfaulheit, sind für mich eher Attribute, die zu einem Studenten gehören. Somit ist der Glaube, dass alle Studis gescheit sein müssen, ebenso ein Vorurteil wie die allgemein verbreitete Meinung, dass Coiffeusen “neurologisch nicht so gut vernetzt sind”.
Ja, es ist nicht ganz so nett geschrieben (aber ein Zeitungsartikel ist dies doch nicht…). Selbstverständlich hoffe ich, dass die Gute das nie zu lesen kriegt, aber das Ganze soll ja auch mit einer gewissen Portion Ironie genossen werden… Wo sind da die Grenzen des Verträglichen?
Und noch was: Ich als Frau bin natürlich absolut nicht frauenfeindlich. Im Gegenteil, ich liebe meine Gleichgesinnten, ja, ich behaupte sogar, dass Frauen für andere Frauen einen höheren Stellenwert haben als Männer. Ich brauche nur einen Mann fürs Leben, gute Freundinnen kann man aber nie genug haben. Und auch die Bewunderung wird oft vom gleichen Geschlecht gesucht, weil der Liebste ja ohnehin selten etwas merkt, wenn sein Frauchen etwas an ihrem Aussehen verändert hat…
Am 15. Juni 2007 um 15:12 Uhr
Salü dLay…
sich über Frau
Tja da bin ich voll reingetreten..! Als ich deinen Beitrag las, musste ich lachen, weil ich in meinem Schreiben Bezug auf eine männliche Person nahm, die wie ich gelesen habe ( oder eben nicht
( die freundliche Hairstylistin) , die evt. Dummheit propagierte, hinwegzog.
So sage ich sorry! Ich habe nicht zurück gelesen. Und siehe da, eine Frau besucht den Haarsaloon und wird von einer Frau bedient. Das ist für mich eine andere Ausgangsposition, als wenn ein Mann unter der Schere liegen würde.
Persönlich würde ich sagen, es ist ein anderer Umgang von Frau zu Frau. Die junge Coiffeuse hat dir DLay im Vertrauen Dinge gesagt, und effektiv im Vergleich zu dir, sich selbst runtergemacht. Ihr Problem, I know…, doch ist sie nicht dumm.
Was mache ich, wenn jemand anders vor mir unsicher ist, koste ich es aus und labe mich an einer vermeintlichen Ueberlegenheit? Frage, die ich in den Raum stelle…
Du hast sie jedenfalls ermutigt mit dem Satz, dass es nicht schade, sich zu bemühen, dass man im Leben weiterkommt. Prima! *Anmerkung:ichveräppledichnicht*
Und ja, es ist kein Zeitungsartikel… haste recht. *beschämtsein*
Ich glaube dir, dass du nicht frauenfeindlich bist.
Ich bin auch froh, um meine Freundinnen, die nicht zahlreich sind, doch treu und zwischendurch krieg ich mal eins “ade Charre”, was der Beziehung nicht schadet. Ich brauche dies, weil ich manchmal zuviel träume. Die Gespräche sind viel tiefer und intensiver.
Was die Männer anbelangt, will ich dich ermutigen mit dem Buch wie ich oben schon erwähnt habe. Die ticken einfach anders, was mich schon mal auf die Palme bringt, ich mich dennoch übe, meinen Mann so anzunehmen wie er ist.
Uebrigens, ich habe seit Jahren den gleichen Coiffeursaloon, den ich gerne besuche. Kompetente Hairstylisten/innen und wer quatscht am meisten? Ich!
Nun hoffe ich, dich richtig verstanden zu haben. Alles Gute.
Sunny greets von Jeannette
Am 17. Juni 2007 um 12:55 Uhr
DLay, ich kenne die Situation und habe mich beim Lesen sehr amüsiert. Tragisch ist nur, dass sich das Spielchen in allen Schichten wiederholt. Die einen träumen davon, Berufsschullehrerin zu werden, die anderen davon, Senior Key Account Manager zu werden. In beiden Fällen locken Lohn und vermeintlicher Status, in beiden Fällen greifen sich Aussenstehende an den Kopf. Der Unterschied liegt vielleicht darin, dass die Coiffeusen aus ihrem Herzen keine Mördergrube machen und Senior Key Account Manager nur in seltenen Fällen ein Arschgeweih tragen. Aber ansonsten sind selbstverständlich ALLE Menschen GENAU gleich!