Seit Beginn des neuen Schuljahres besucht unser Prinzesschen die Musikschule, freiwillig für die Kinder des zweiten Kindergartenjahres. Dafür muss sie jeweils Donnerstags nach dem Kiga in die etwa 800 m entfernte Musikschule gehen. Zeit: 25 Minuten. Schon beim ersten Mal dann die Ernüchterung meinerseits: Alle anderen Mamis, deren Kinder ebenfalls die Musikschule besuchen dürfen, fuhren mit ihren Kombis vor. Ist unser Prinzesschen etwa doch kein Prinzesschen?
Natürlich wurden mir gleich verschiedene Mitfahrgelegenheiten angeboten. Ich lehnte dankend ab, was mir ein verwundertes “Muss deine Tochter nicht auch noch einen Happen essen?” – “Doch, sie kann auf dem Weg etwas essen”. Und 25 Minuten sollten reichen, um vor Beginn noch etwas zu pausieren, fügte ich in Gedanken dazu. So war ich also die einzige, die von ihrer Tochter verlangte, diese paar Meter zu Fuss zurückzulegen. Viel schneller waren die anderen aber nicht, denn mit den Autos konnten sie nicht unsere Abkürzungen nehmen. Und vom Parkplatz zum Schulhaus mussten sie auch noch im Regen gehen. Wir vereinbarten aber dennoch mal provisorisch, dass man sich abwechseln könnte mit dem Bringen, wobei ich mich ein weiteres Mal unbeliebt machte, als ich festhielt, dass ich die Kinder gerne mitnehme, sie aber mit mir auf jeden Fall zu Fuss gehen müssen.
Eine Woche später erhalte ich einen Anruf jener Mutter, die “dran war” mit dem Bringen. Die Tragödie: Am selben Nachmittag durften die Kinder die Bibliothek besuchen – ein Fussmarsch von 8 Minuten. Klarer Fall: Danach werden sie zu müde sein. Meine Sturheit siegte ein weiteres Mal, und unsere Tochter und ich fuhren bei herrlichem Sonnenschein mit dem Schattenvelo in die Musikschule. Sie hatte ihre helle Freude daran und ich fühlte mich darin bestätigt, dass die Mädels grundsätzlich sehr gesunde Beine und Füsse haben sofern man sie lässt.
Heute wieder dasselbe: Es regnet wohl nur einmal, also wieder ein Anruf einer anderen Mutter. Sie will die Kinder mit dem Auto bringen bei diesem Hundswetter. Ich stehe zu meinem Wort und ausgerüstet mit Gummistiefeln, Regenjacke und Schirm machen meine Tochter und ich uns auf den Weg – natürlich zu Fuss. Und siehe da: Wir blieben trocken. Petrus ist eben ein Freund der Spaziergänger