Sodeli, ich habe nun einige Messungen mit meiner Heim-Kino Ausrüstung mit dem Energie-Zähler absolviert. Zuerst zu den Angaben der verwendeten Komponenten:
- Panasonic 42″ Plasma TV
- Panasonic DVD-Player
- Yamaha AV-Receiver inkl. 5.1 Surround Boxen
Mit diesem Setup habe ich gestern 90min Heimkino (“Der längste Tag”, via Exsila) konsumiert und anschliessend am Energiezähler die konsumierten Wattstunden (Wh) abgelesen: 380 Wattstunden. Da diese Zahl alleine nicht viel aussagt, versuche ich es nun mit einer ersten Berechnung der damit anfallenden Stromkosten:
0.38kWh / 1.5 Stunden * 0.19 CHF = 0.048CHF
Die Stromkosten (axpo Normalstrom) pro kWh in unserer Gemeinde betragen 0.19 CHF im Einfachtarif (ET) und CHF 0.09 im Niedertarif (NT), das heisst:
90 Minuten Heimkino im ET kosten mich knapp 5 Rappen auf der Stromrechung!
Da wir soooo viele DVD’s besitzen ist jede Woche mindestens 2 oder 3 Mal Pantoffelkino angesagt, wenn wir das auf 1 Jahr (52 Wochen) ausrechnen kommen dabei “nur” CHF 7.50 heraus, und das erst noch mit dem Einfachtarif, bei Niedertarif (ab 20 Uhr) sind die Stromkosten nochmal halbiert- ist unser Strom wirklich sooo billig??
Es muss wohl so sein, denn anders liessen sich (für mich) die folgenden Erkenntisse, welche ich aufgrund meiner Messungen und Berechnungen erlangt habe, nicht erklären:
Standby oder nicht?
Interessant wird nun die Betrachtung des Stromverbrauchs im sogenanten Standby-Modus:
Hier gesellen sich zu den Eingangs erwähnten Geräten weitere Komponenten hinzu, welche ebenfalls mit meiner Heimkino-Installation an einer gemeinsamen Strom-Schiene verbunden sind:
- Cablecom Digital PVR
- MAC mini Computer
- NewerTech miniStack (externe USB-Harddisk für den mini-MAC)
- Logitech Harmony Ladestation (für die Universal-Fernbedienung)
Der absolute Standby-Looser (wenn man hier überhaupt von Standby reden kann) ist der digitale Cablecom-Receiver / PVR, welcher allein 18.5Watt saugt. Auf Platz 2 folgt die Logitech-Ladestation mit 1.5Watt (vermutlic hwegen der blauen LED-Pfunzel-Beleuchtung) und der MAC mini mit 1.3Watt .
Sehr positiv überrascht bin ich vom Panasonic Plasma, welcher zwischen 0.3 und 0.1Watt seinen Schlaf findet, ebenso der DVD-Player mit 0.5Watt und der Yamaha AV-Receiver mit 0.3Watt (der aktive Subwoofer wird über den AV-Receiver gespeist und scheint keinen Standby-Verbrauch zu haben).
Zieht man den Verbrauch nun zusammen, so bekomme ich (Cablecom sei Dank!) runde 21Watt zusammen. Diese 21 Watt Standby-Strom entsprechen auf 1 Jahr aufgerechnet einem Betrag von ungefähr 35.-CHF (ET, 0.021kWh * 24Stunden* 0.19CHF * 365Tage = 34.95 CHF).
An diesen Kosten ist das Cablecom-Dings mit 18.5 Watt massgeblich beteiligt. Ich forsche weiter und finde bei Cablecom eine Medienmitteilung zum Thema digitales Fernsehen. Gemäss dieser Mitteilung nutzen per Mai 2007 rund 155′000 Kunden das digitale Fernsehangebot. Ich schätze den Anteil an PVR-Geräten auf ca 30′000 und sehe mir die Standy-Kosten erneut an:
Standby-Kosten Einzelgerät in 1 Jahr: CHF 30.79 (0.0185kWh * 24Stunden* 0.19CHF * 365Tage)
Standby-Kosten von 30′000 Abonnenten in 1 Jahr: CHF 923′742.00! (oder 4′861′800kWh)
Was sich im Rahmen eines einzelnen Verbrauchers also nicht besonders deutlich bemerkbar macht, fällt nun bei der menge an (geschätzten) Kunden auf einmal happig auf. Ich bin (noch) kein Experte auf diesem Gebiet, aber ich denke mit dieser Menge an Standby-Strom würden sich einige Haushalte versorgen lassen.
Scheinbar hat bluewin TV das gleiche Problem, wenigstens habe ich aber bei Swisscom etwas zum Thema Standby-Verbrauch gefunden (ganz unten auf der Seite) und gesehen, dass meine Cablecom-Berechnung ziemlich exakt dem entspricht (und somit auch korrekt zu sein schint), was bei der bluewin TV Box verbraucht wird (17W).
Wenn die vorangegangene Stromberechnung korrekt ist, dann wird mit dem Standby-Modus von 30′000 Kunden die Energie von fast 1300 3-Personen Haushalten mit einem jährlichen Durchschnittsverbrauch von 3750kWh verputzt! (Die Berechnungsgrundlage gibts hier)
Das Cablecom-Gerät scheint den Begriff Standby als solchen gar nicht zu kennen auch wenn im Benutzerhandbuch von 10W(!!) die Rede ist – die eingebaute Festplatte rotiert 24 Stunden im Tag und 7 Tage die Woche – muss das denn sein?? Es gibt sicher software-technische Mittel, ein solches Gerät z.B. kurz vor einer geplanten TV-Aufzeichnung aus dem Tiefschlaf zu wecken und die Festplatte nur dann rotieren zu lassen wenn diese auch wirklich benutzt wird??
Ein Arbeitskollege von mir hat auch einen Festplatten-Rekorder – sein Gerät rotiert im Standby-Modus nicht, es muss also möglich sein!
Nur allein auf ein spezifisches Gerät betrachet sind das doch Zahlen, welche mir zu denken geben. Mit den bluewin-Geräten sieht es ja etwa gleich aus, was die Energie-Misere betrifft und es tummeln sich mit Sicherheit noch viele viele andere Gerätschaften in unseren Haushalten, welche den Begriff Standby noch nicht verstanden haben – ich habe bereits einen zweiten Kandidaten während meiner Messungen gefunden, doch davon berichte ich dann in einem späteren Teil.
Es ist zu noch anzumerken, dass ich bei meinen nächtlichen Standby-Messungen jeweils für den gleichen Zeitraum ziemlich verschiedene Verbrauchswerte erhalten habe (vielleicht zappt sich das Cablecom-Gerät ja klammheimlich durch meine Sportkanäle?) und ausserdem der Strom-Grundpreis nicht berücksichtigt wurde. Dies würde das Ergebnis allenfalls noch um ein paar wenige Franken erhöhen.
Nun denn, die Diskussion ist eröffnet, ich hoffe ich liege mit meinen Berechnungen nicht total daneben, sonst muss ich mich dann gehörig schämen!
Teil 3 dieser Serie folgt in den nächsten Tagen!
Noch ein Hinweis:
Die zur Berechnung der Stromkosten verwendeten Tarife sind je nach Wohngemeinde unterschiedlich. Ich habe ebenfalls keine Unterscheidung zwischen Einfachtarif (RT) und Niedertarif (NT) vorgenommen, was mit ein wenig Excel-Bastelei möglich wäre.
Am 25. September 2007 um 07:34 Uhr
Zum Stromverbrauch gibt es aus meiner Sicht noch zwei Dinge zu berücksichtigen:
1. Wenn man nur die monetären Kosten betrachtet, welche durch Betrieb und Standby anfallen, dann mag man sich schon fragen, wo denn die Motivation für eine Einsparung liegen könnte. Wir sollten allerdings dahin kommen, nicht nur das eigene Portmonai zu berücksichtigen, sondern den ganzen (ökologischen) Rucksack, welcher ein Produkt oder eine Dienstleistung mitbringt. Was momentan aber nicht so einfach zu berechnen ist.
2. Kleinvieh macht auch Mist. Wenn man, wie Du es auch getan hast, all die kleinen Stromfresser auf die Bevölkerung hochrechnet, dann sieht man schnell, dass dies massiv Auswirkungen auf den Gesamtstromverbrauch hat und ein Argument in der Diskussion um ein neues Kraftwerk ist.
Am 25. September 2007 um 09:35 Uhr
Hi Reto,
Zu Deiner ersten Frage:
Ja, da hast Du Recht, es ist für einen Normalsterblichen wohl kaum möglich, alles “hinter der Steckdose” mitzurechnen oder sich eine konkrete Vorstellung der ganzen Nebenwirkungen zu machen. Interessant wäre es ja schon, sich hierzu einmal Überlegungen anzustellen und versuchen, die Zusammenhänge und Auswirkungen aufzuzeigen.
Zum Kleinvieh: Leider werden die Auswirkungen solcher “stillen” Stromfresser erst in der grossen Masse sichtbar darum denke ich werden sich viele weiterhin einfach keine Gedanken zu diesem Thema machen spo nach dem Mott “wäg dene paar Stutz…”
Am 19. März 2008 um 03:01 Uhr
[...] > Ich denke, man hat hier einfach CPUs selektiert. Das macht Intel (und > > jede andere CPU-Schmiede) nicht anders. In der Regel kennt man nach > > einer gewissen Zeit seine Masken und [...]