Kratzbürste von Beruf

Habe ich mich vor einiger Zeit über die sonderbare Art meiner Coiffeuse gewundert, so habe ich heute nach einem Besuch bei ihrer Kollegin gelernt, richtige Coiffeur-Qualitäten zu schätzen. Ja, sie war wohl geschwätzig und nicht die Hellste. Doch wusste sie wohl, wie sie ihre Kundschaft und deren Haare mit Sorgfalt zu behandeln hat. Sie ging auf die Wünsche ein, schraubte an der Wassertemperatur, bis es mir angenehm war. Bemühte sich, nicht zu doll an meinen Haaren zu ziehen, und wenn sie doch etwas zu fest zog, entschuldigte sie sich sofort. Ganz anders ist ihre Kollegin, die heute ihren dritten Arbeitstag in diesem Salon hat.

Zuerst verbrühte sie mir meine Kopfhaut mit extrem heissem Wasser, was sie selbst an den Händen natürlich nicht merkte. Auf meinen Wunsch, etwas kälter einzustellen, ging sie gar nicht erst ein. Die Shampoopause kam halt dazwischen. Später bekam ich beinahe keine Luft mehr, als sie mir den Umhang anlegte. Danach schwärmte sie mir immer wieder vor, wie schön und lange meine Haare sind. Ich konnte diese Komplimente jedoch kaum geniessen, die gute zog einfach zu doll an meinen Haaren, so dass ich jedes Mal zusammenzuckte und den Kopf auch kaum gerade halten konnte. Hin und wieder schloss ich noch ganz schnell die Augen, um einem Attentat ihrer langen Fingernägel zu entgehen. Später beim Föhnen erhielt für mich das Wort “Kratzbürste” eine ganz andere Bedeutung. Ich kriegte nämlich eine weniger angenehme Gesichtsbehandlung mit der Rundbürste. Was habe ich daraus gelernt? DFG. Dumm Fönt Gut.

Weshalb ich nun aber am Rücken einen völlig durchnässten Pullover habe, bleibt mir ein Rätsel und wird nicht unbedingt dafür sorgen, dass ich die Neue ein zweites Mal an meine Haare lassen werde.

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